Getreidefreie Ernährung ist gut für Hunde – Modeerscheinung, Tatsache oder Fiktion?

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In den letzten Jahren haben wir einen zunehmenden Trend bei Hundebesitzern beobachtet, ihre Hunde getreidefrei zu ernähren. Das Internet ist voll von widersprüchlichen Informationen unterschiedlicher Qualität, die es uns als Tierbesitzer:innen sehr schwer machen können, zu wissen, was das Beste für unsere Haustiere ist. Ich möchte mir die Zeit nehmen, einen Blick darauf zu werfen, warum die Leute meinen, auf getreidefreie Ernährung umsteigen zu müssen, und ob das tatsächlich eine gute Idee ist.

Warum wollen Tierbesitzer:innen ein getreidefreies Futter für ihren Hund?

Einer der Gründe, warum Tierbesitzer:innen an getreidefreiem Futter interessiert sind, ist, dass sie Hunde wie ihre Wolfsvorfahren sehen und wirklich glauben, dass wir sie auch so ernähren sollten. Diese Annahme ist in vielerlei Hinsicht problematisch. Oft hört man, dass Hunde Fleischfresser sind und deshalb nur Fleisch essen sollten. Das ist falsch. Anatomisch gesehen sind Hunde zwar Fleischfresser, aber sie sind Allesfresser wie Bären und können durchaus sowohl Pflanzen als auch Fleisch fressen. Vergessen wir nicht, dass der wunderschöne, ikonische, große Panda als Fleischfresser eingestuft wird, obwohl der sich zu 100% vegetarisch ernährt!

Hunde haben sich im Laufe von 20-40.000 Jahren zusammen mit uns entwickelt. In dieser Zeit begannen sie, unsere Abfälle und Reste zu fressen, und wir wissen aus der Genforschung, dass Hunde zu über 99% in der Lage sind, Kohlenhydrate wie Getreide zu verdauen. Es gibt buchstäblich Millionen von streunenden Hunden auf der ganzen Welt, die von Abfällen und sehr wenig Fleisch leben. Wölfe haben nicht dieselbe genetische Veranlagung.

Ein weiterer entscheidender Unterschied ist die Menge der Nahrung und der Kalorienbedarf. Wölfe brauchen etwa drei- bis viermal so viel Kalorien wie ein durchschnittlich großer Hund, weshalb sie sehr große Mengen an Futter fressen. Dies gewährleistet einen ausreichenden Gehalt an Vitaminen und Mineralien. Würden wir Hunde auf diese Weise ernähren, wären sie entweder krankhaft fettleibig oder hätten einen drastischen Mangel an bestimmten Nährstoffen.

Viele Tierbesitzer:innen haben auch beängstigend klingende Dinge über Getreide gehört, wie z.B. dass es einfach als billiger Füllstoff verwendet wird. Sehen wir Getreide und Vollkornprodukte, zu deren Verzehr wir uns und unsere Kinder ermutigen, auf diese Weise? Tatsache ist, dass Getreide für Hunde und Menschen gleichermaßen eine großartige Quelle für Vitamine und Ballaststoffe ist. Sie liefern auch so genannte präbiotische Ballaststoffe. Dies ist die Art von Ballaststoffen, die die "gesunden" Darmbakterien ernähren, die wiederum die Darmzellen gesund und aktiv halten.

Was ist mit Getreideallergien?

Ein Grund, warum manche Tierbesitzer:innen ein getreidefreies Futter wünschen, ist die Sorge um Allergien. Echte Nahrungsmittelallergien sind bei Hunden selten und Allergien gegen pflanzliche Proteine sind nicht sehr häufig. Eine kleine Anzahl von Hunden reagiert jedoch allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel. Die häufigsten Allergien bei Hunden sind Rindfleisch, Huhn, Milchprodukte und Weizen.

Glutenunverträglichkeit

Manche Tierbesitzer:innen machen sich Sorgen über Gluten in Tiernahrung. Eine Glutenunverträglichkeit ist bei Hunden äußerst selten und wurde nur bei einer kleinen Anzahl von Irish Settern als Erbkrankheit festgestellt.

Ist getreidefreies Futter also unbedingt schlecht?

Wie bei allen Futter- und Diätentscheidungen hängt dies von der verwendeten Nahrung ab. Eine getreidefreie Ernährung kann für Hunde durchaus sinnvoll sein, aber es ist wichtig, dass sie ausgewogen und vollständig ist. Das bedeutet, dass es immer noch all ihre Ernährungsbedürfnisse in den richtigen Proportionen abdeckt. Einige Tierbesitzer:innen haben gehört, dass eine bestimmte Herzerkrankung (die so genannte dilatative Kardiomyopathie oder kurz DCM) durch getreidefreies Futter ausgelöst werden kann. Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels ist dies nicht bewiesen. Sie können bei der PFMA (Pet Food Manufacturers' Association) mehr über die laufende Forschung lesen.

Kurzum:

Das Wichtigste bei der Fütterung von Hunden ist, dass sie ein ausgewogenes und vollständiges Futter erhalten, das für ihre Lebensphase geeignet ist. Einfach nur eine Zutat wegzulassen oder zu versuchen, die Mahlzeiten zu Hause ausgewogen zu gestalten, birgt Gefahren und kann zu schweren Nährstoffüberschüssen und -mängeln führen. Hunde sind perfekt an eine Ernährung mit Fleisch und Pflanzen angepasst und durchaus in der Lage, Kohlenhydrate zu verdauen.

Viele Tierärzt:innen und Tierbesitzer:innen haben gesunde und glückliche Hunde, die getreidehaltiges Futter fressen. Sofern kein medizinischer Grund vorliegt, ist hochwertiges vollständiges und ausgewogenes Futter mit Getreide für Hunde in Ordnung. Getreide sind eine gute Nährstoffquelle und tragen zu einer ausgewogenen Ernährung bei. Wenn Sie sich tatsächlich für ein getreidefreies Futter entscheiden sollten, sprechen Sie mit Ihrer Tierärztin bzw. Ihrem Tierarzt über die seriösesten Futtermittel, die zur Auswahl stehen, und führen Sie die Umstellung immer langsam über mehrere Tage durch, um Verdauungsstörungen zu vermeiden.

Biographie der Autorin

Dr. Emma Milne

Dr. Emma Milne schloss ihre Ausbildung zur Tierärztin im Jahr 1996 ab. Sie arbeitete 12 Jahre lang in einer Kleintierpraxis und sieben Jahre lang als klinische Ernährungsberaterin. Sie ist bekannt für ihre Tierschutzarbeit und hat zehn Bücher über Haustiere geschrieben.

 

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