So führen Sie Ihren erwachsenen Hund und Ihren neuen Welpen erfolgreich zusammen
„Begrüße Dein neues Geschwisterchen!“
Kommt ein neuer Welpe ins Haus, bricht eine ganz besonders schöne und aufregende Zeit für die gesamte Familie an. Ihr bisheriger Hund könnte das allerdings anders sehen – schließlich ist er es gewohnt, buchstäblich an „erster“ Stelle zu stehen.
Unabhängig davon wie gesellig und gutmütig Ihr erwachsener Hund auch sein mag – er ist und bleibt ein Hund, der territoriales Verhalten zeigt, sich als Teil eines Rudels sieht und sich seiner Position innerhalb dieses Rudels sehr bewusst ist. Ein niedliches Fellknäuel, das als Neuling in die gewohnte Umgebung kommt, kann daher möglicherweise negative Reaktionen hervorrufen. Eifersucht, da der „Neue“ plötzlich die gesamte Aufmerksamkeit erhält. Futterneid, weil der Welpe zuerst gefüttert wird oder sämtliche Leckerlis bekommt. Aggression, da ihr erster Hund das Gefühl hat, seine Position innerhalb der Rudel-Hierarchie sei bedroht. Oder Launenhaftigkeit, weil ein nerviger kleiner Kerl ihm die ganze Zeit vor der Nase herumspringt.
Mit ein wenig Vorausplanung, guter Psychologie und Rücksicht können Sie die Zusammenführung der beiden Hunde jedoch relativ stressfrei gestalten. Im Idealfall schaffen Sie dabei eine solide Basis für eine lebenslange Freundschaft und Kameradschaft, die eine „Zwei-Hunde-Familie“ so wunderbar macht.
1. Schritt: Vorbereitungen im neuen Zuhause
Schon bevor der neue Welpe ins Haus kommt können Sie erste wichtig Schritte vornehmen. Bereiten Sie für den neuen Welpen einen separaten Raum vor – vielleicht ein nicht genutztes Zimmer oder die Waschküche. Hier kann er die ersten paar Tage in Ruhe verbringen. Statten Sie das „Welpen-Zimmer“ mit eigenen Trink- und Fressnäpfen, Spielzeugen und einem Hundebett aus. Und keine Sorge: Die räumliche Trennung ist nur als kurzfristige Maßnahme gedacht.
Nehmen Sie, wenn möglich, ein neues Spielzeug oder eine Decke mit zum Züchter oder in die Tierhandlung und reiben Sie diesen Gegenstand am Fell Ihres neuen Welpen, um dessen Geruch aufzunehmen. Lassen Sie es dann später zu Hause herumliegen, so dass Ihr erwachsener Hund sich damit vertraut machen kann. Wenn die beiden Hunde dann das erste Mal aufeinander treffen, wird er den Geruch als etwas erkennen, das keine Gefahr darstellt.
2. Schritt: Geben Sie ihnen die Möglichkeit, sich kennen zu lernen
Versuchen Sie es zu organisieren, dass beide Hunde einige Male aufeinander treffen, bevor der neue Welpe ins Haus kommt. Gute Züchter haben normalerweise nichts dagegen, wenn Kunden ihren Erst-Hund für eine Spielrunde mit dem neuen Welpen mitbringen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, einen neutralen Ort für das erste Zusammentreffen zu wählen.
Da Hunde sich als Beschützer ihres eigenen Territoriums sehen, ist es unbedingt notwendig, die erste Begegnung an einem für beide unbekannten Ort stattfinden zu lassen. Hier wird sich keiner der Hunde dominant oder bedroht fühlen. Ein Park oder ein offenes Gelände sind dabei perfekt geeignet. Am besten sollte es jedoch ein Ort sein, an dem Sie auch mit Ihrem ersten Hund noch nicht waren. Beide Hunde sollten angeleint sein und jeweils von einem Familienmitglied zur Gruppe geführt werden. Erlauben Sie den Hunden, sich auf ruhige Art und Weise zu beschnuppern und aneinander zu gewöhnen. Besonders wichtig: Zu diesem Zeitpunkt sollten Sie keinen großen Wirbel um den neuen Welpen machen und den älteren Hund nicht streng ermahnen.
Wenn die Hunde anfangen, miteinander zu spielen und sich gut verstehen, ist das ein großartiges Zeichen. Sollten sie jedoch anfangen zu knurren oder zu schnappen, gehen Sie sanft dazwischen und beruhigen Sie die Situation, indem Sie beiden ein Leckerli anbieten. Das lenkt sie von ihrem aggressiven Verhalten ab und hilft ihnen, die Anwesenheit des anderen Hundes mit etwas Positivem zu verbinden. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn sich die beiden nicht gleich zu Beginn gut verstehen. Bereiten Sie sich einfach darauf vor, den Hunden etwas mehr Zeit zu lassen, gegenseitiges Vertrauen und Respekt füreinander aufzubauen.
3. Schritt: Lassen Sie ihnen zu Hause viel Freiraum
Kommt der neue Welpe ins Haus, ist es unbedingt erforderlich, dass Sie beiden Hunden zunächst separate Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Doch damit nicht genug: Auch emotionale Freiräume sollten gewährt werden, während die beiden ihre Beziehung untereinander aufbauen. Unsere Tipps: Füttern Sie sie während der ersten paar Wochen getrennt voneinander – so vermeiden Sie Probleme in Bezug auf Futterneid. Und stellen Sie ein Treppenschutzgitter in den Türrahmen des Zimmers, in dem sich der neue Welpe aufhält. Das ermöglicht ihm, sich in Ruhe an die Umgebung, die Gerüche und Geräusche seines neuen Zuhauses zu gewöhnen. Außerdem kann sich so sein Geruch besser auf andere Räume ausbreiten. Ein weiterer Vorteil: Ihr erwachsener Hund kann den Welpen sehen und sich ihm nähern, sofern er das möchte. Die physische Barriere bedeutet hingegen für den Welpen, dass er einen sicheren Ort hat, an den er sich zurückziehen kann. Zudem hat der ältere Hund nicht das Gefühl, als würde sein vertrautes Gebiet sofort vom Neuankömmling eingenommen werden.
Auf eines sollten Sie vorbereitet sein: Gelegentliche Streitereien und Raufereien werden nicht ausbleiben. Darum ist es wichtig, in den allerersten Tagen präsent zu sein, das Verhalten beider Hunde zu beobachten und eventuellen Problemen schon im Ansatz zu begegnen. Lassen Sie Ihren Hunden aber auch Zeit, sich einfach miteinander zu beschäftigen und herauszufinden, wer der „Alpha-Hund“ sein wird. Die beiden werden das sehr schnell und ganz natürlich untereinander ausmachen. Denken Sie daran: Das Zugehörigkeitsgefühl als Teil des Rudels ist kein Wettkampf um Dominanz, sondern ein instinktiver Zustand der Hunde, ohne den sie sich sogar sehr unwohl und unglücklich fühlen würden.
4. Schritt: Behandeln Sie beide gleich
Als Rudelführer liegt es nicht in Ihrer Verantwortung, sich zwischen den beiden zu entscheiden oder abzuwägen, welcher der Hunde als Leithund behandelt werden sollte. Sie sollten sich einfach nur in jeder Hinsicht und Situation unparteiisch und fair verhalten. Dabei gilt es, Aufmerksamkeit und Leckerlis gleichmäßig zu verteilen sowie gleiche Wege der Behandlung und Bestrafung zu gehen, wenn sie mal aus der Reihe tanzen. Sobald es angebracht ist, sollten Sie zudem dazu übergehen, beide zum gleichen Zeitpunkt zu füttern. So vermeiden Sie mögliche Eifersüchteleien und Feindseligkeiten.
Wir alle lieben niedliche Welpen. Und zur Freude über einen zweiten Hund gehört natürlich auch, dass man ganz viel Wirbel um das neue „Baby“ der Familie macht. Indem Sie Ihre Familie und Freunde anhalten, genauso viel Aufhebens um den älteren Hund zu machen wie bisher, erhöhen Sie jedoch die Chance, am Ende ein wohlerzogenes Rudel mit einem guten Sozialverhalten zu Hause zu haben. Ganz wichtig: Bevorzugen Sie keinen der Hunde, sondern verteilen Sie Ihre Zuneigung gleichmäßig. So werden Sie im Gegenzug noch mehr Zuneigung von beiden Hunden erhalten.
Genau das ist das Rezept für eine rundum glückliche „Zwei-Hunde-Familie”!